
Die belgische Polizei ermittelt seit vier Monaten in einem Fall von Korruption, Geldwäsche und krimineller Vereinigung, bei dem katarische Gesandte Schmiergelder an mehrere Abgeordnete und Mitarbeiter des Europäischen Parlaments gezahlt haben sollen. Der Sitz des Europäischen Parlaments in Brüssel wurde am Montag während der Plenartagung in Straßburg (Frankreich) erneut durchsucht.
Die Durchsuchungen am Montag wurden in einem Dutzend Büros von Assistenten der Abgeordneten durchgeführt, die bereits am Freitag versiegelt worden waren, als die ersten Durchsuchungen und Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Fall vorgenommen wurden, so die Bundesanwaltschaft.
Parallel dazu wurden in Zusammenarbeit mit Eurojust, der für die justizielle Zusammenarbeit zuständigen Agentur, auch Durchsuchungen in Italien durchgeführt, so die Staatsanwaltschaft, ohne weitere Einzelheiten zu diesem Teil der Ermittlungen zu nennen.
Parlamentspräsidentin Roberta Metsola erklärte bei der Eröffnung der Plenartagung in Straßburg, sie sei «stolz» auf die Art und Weise, wie die Institution bei den Ermittlungen mitgewirkt habe, und äußerte gleichzeitig «Zorn, Wut und Traurigkeit» über die untersuchten Ereignisse.
Die belgischen Behörden haben für eine Synchronisierung zwischen ihren Ermittlern und der europäischen Institution gesorgt, so dass beispielsweise am vergangenen Freitag mit Hilfe der parlamentarischen Sicherheitsdienste die Computer mehrerer Personen «eingefroren» werden konnten, um zu verhindern, dass Informationen, die für die Ermittlungen relevant sein könnten, verloren gehen.
«Die Feinde der Demokratie, für die die Existenz des Parlaments eine Bedrohung darstellt, werden nicht aufhören. Ihr bösartiger Plan ist gescheitert, unsere Dienste, auf die ich sehr stolz bin, haben mit den nationalen Strafverfolgungs- und Justizbehörden zusammengearbeitet, um dieses kriminelle Netzwerk zu zerschlagen», resümierte Metsola.
Metsola musste nämlich die belgischen Behörden bei einer der Durchsuchungen in der Wohnung eines Europaabgeordneten begleiten, da dies nach der belgischen Verfassung bei Ermittlungen gegen nationale Abgeordnete vorgeschrieben ist.
Insgesamt führten die belgischen Behörden rund 20 Durchsuchungen durch und verhörten sechs Personen, von denen vier festgenommen wurden und am Mittwoch vor Gericht aussagen werden.
Unter den Verhafteten befand sich auch die griechische Europaabgeordnete Eva Kaili, eine der 14 Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments, über deren Absetzung das Plenum in Straßburg entscheiden soll, die aber von Metsola bereits ihrer repräsentativen Pflichten und Verantwortlichkeiten enthoben wurde.
Die Ermittler fanden fast 600.000 Euro in bar in ihrer Wohnung, «Hunderttausende» Euro in einem Koffer in einem Brüsseler Hotel – laut belgischen Medienberichten im Besitz von Kailis Vater – und weitere 150.000 Euro in der Wohnung eines anderen Europaabgeordneten.






