
Der Deutsche Bundestag hat am Freitag die Opfer des Holocausts geehrt und dabei die Menschen hervorgehoben, die während des Naziregimes wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verfolgt wurden.
Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, die die Veranstaltung eröffnete, sagte vor dem Bundestag, dass Menschen, die von den Nazis wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verfolgt wurden, lange auf diese Anerkennung gewartet hätten.
Diese Ansicht vertrat auch die Holocaust-Überlebende Rozette Kats, die 1942 in eine jüdische Familie hineingeboren wurde und unter einer falschen Identität in Amsterdam überlebte, während ihre Familie im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde.
«Wenn bestimmte Opfergruppen als weniger wertvoll angesehen werden als andere, dann bedeutet das letztlich nur eines: dass die nationalsozialistische Ideologie noch immer lebendig ist und leider auch heute noch nachwirkt», sagte Kats sichtlich bewegt.
Die deutsche Schauspielerin Maren Kroymann erinnerte an das Leben des verstorbenen Holocaust-Opfers Mary Pünjer, einer in Hamburg geborenen Jüdin, die unter dem Vorwand verhaftet wurde, «asozial» zu sein, weil sie «lesbisch» war.
«Liebe Mary Pünjer, du solltest wirklich hier sein», sagte Kroymann, die sich 1993 als lesbisch geoutet hatte. Pünjer wurde wegen «lesbischen Verhaltens» angeklagt und 1942 in der Vernichtungsanstalt Bernburg in Sachsen-Anhalt ermordet.
Etwa 50.000 Männer wurden während des Nazi-Regimes zu Gefängnisstrafen gemäß Artikel 175 des deutschen Strafgesetzbuches verurteilt, der Homosexualität bis zu seiner Abschaffung im Jahr 1994 unter Strafe stellte. Mindestens 5.000-6.000 von ihnen wurden in Konzentrationslagern getötet.
Am Rande der Zeremonie erinnerte Bundeskanzler Olaf Scholz an die historische Verantwortung Deutschlands für den Holocaust. «Das Leiden von sechs Millionen unschuldig ermordeten Juden wird nicht vergessen werden, ebenso wenig wie das Leiden der Überlebenden», schrieb er auf Twitter.
Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz im besetzten Polen. Die Nazis hatten dort mehr als eine Million Menschen ermordet. Seit 1996 wird dieses Datum in Deutschland als Holocaust-Gedenktag begangen.
Nachrichtenquelle: (EUROPA PRESS)






